Fastenzeit,  Zero Waste

Warum überhaupt Müll vermeiden, wenn er doch eh recycelt wird? – Ein Blick ins Kleingedruckte der deutschen Kreislaufwirtschaft

„Ach, das bisschen Plastik!
Ist doch kein Problem: Ich werfe es in die gelbe Tonne, dann wird es recycelt. Und mein Gewissen ist rein.“

Oder vielleicht doch nicht?

Was passiert eigentlich mit so einem 5-Kilo-Futtersack, nachdem unsere Fellnase ihn leer gefressen hat?

Oder mit den Leckerchentütchen, den Vakuumverpackungen vom Fleisch, den Folienverpackungen vom Gemüse und und und…?

Das Verpackungsgesetz – neue Quote, neues Glück?

Wie es unserem Verpackungs-Müll nach seinem Leben als Verpackung ergeht, regelt seit dem 1. Januar 2019 das neue Verpackungsgesetz (VerpackG), welches die alte – im Jahr 1991 erstmals in Kraft getretene und in den Folgejahren mehrfach überarbeitete – Verpackungsverordnung (VerpackV) ablöst.

Nach diesem Gesetz müssen 90% des Kunststoffmülls recycelt werden; 65% davon (also auf die Gesamtmasse gerechnet 58,5%) müssen „werkstofflich“ verwertet werden – das bedeutet im Klartext: Wiederaufbereitung zu Recycling-Kunststoff, der als Rohstoff z.B. in der Produktion von Blumentöpfen verwendet wird.

Recyclingquote laut VerpackG (Quelle: Der Grüne Punkt)

Diese Zahl klingt auf den ersten Blick erst einmal nach relativ wenig.

Jedoch ist das bereits eine haushohe Verbesserung zu den Vorgaben der alten Verordnung!
Bisher mussten nämlich nur insgesamt 36% der Kunststoffe der werkstofflichen Verwertung zugeführt werden.

Eine weitere Anhebung der Quoten sieht das Gesetz zum 01.01.2022 vor: ab dann sind es immerhin 63% der Gesamtmenge, die in die werkstoffliche Verwertung müssen.

Der restliche Anteil wird entweder „rohstofflich“ verwertet (das bedeutet eine Aufspaltung in Grundbestandteile wie Öle und Gase mittels Hitzeeinwirkung) oder „energetisch“ – auf gut Deutsch: verbrannt zum Zweck der Energiegewinnung (z.B. Strom/Fernwärme).

ABER: Nicht sämtlicher Plastikmüll landet auch in der Verwertung!

Die festgelegten Quoten gelten ausschließlich für Verpackung (auf Grundlage der dualen Systeme); sonstiger Müll aus Kunststoff gehört in den Restmüll und geht somit nicht automatisch zurück in den Kreislauf – es sei denn, die Kommune bietet explizit eine sogenannte „Wertstofftonne“ an, die nicht nur auf Verpackungen begrenzt ist. Dort dürfen auch materialgleiche Gegenstände hinein, die nicht „Verpackung“ sind: Kleiderbügel, Pfannen, Töpfe usw.

Als „recycelt“ gilt außerdem bereits alles, was den Weg von der gelben Tonne bis in die Sortieranlage schafft – diese 90% sind also schnell erfüllt, spannend wird es erst danach, wenn die einzelnen Stoffe voneinander separiert werden.

Ganz unter den Tisch fallen bei dieser Statistik logischerweise auch die Verpackungsabfälle, die gar nicht erst in der gelben Tonne landen: jene, die in den Restmüll geworfen werden oder vielleicht auch schon mal in die wilde Natur.

Der absurdeste Weg, mit unserem Müll zu verfahren, ist glücklicherweise seit dem 01. Januar 2018 versperrt: zu diesem Datum nämlich hat China den Import von ausländischem Plastikmüll gestoppt. Unglaublich, aber wahr: davor wurden tatsächlich 56% des weltweiten Plastikmülls in das Reich der Mitte „abgeschoben“!

Unsere Verbrennungsanlagen sind bereits ausgelastet und wir müssen nun also selber sehen, wie wir – ohne China – der Plastikflut Herr werden.

Über kurz oder lang wird dies auch ein Umdenken in der Industrie bei der Entwicklung von Verpackungskonzepten zur Folge haben müssen; diese werden bereits vor dem Inverkehrbringen ihre Recyclingfähigkeit unter Beweis stellen müssen.

Wir sehen also, das beruhigende Argument „Wenn ich mein Plastik in die gelbe Tonne werfe, dann ist die Welt in Ordnung!“ ist leider nicht ganz so beruhigend, wie es scheint.

An allererster Front gilt es nach wie vor, Müll erst gar nicht anfallen zu lassen.
Denn: Wenn er nicht da ist, muss er auch nicht entsorgt werden!

Und was ist mit Konservendosen?

Beim Thema „Hundemüll“ darf natürlich auch die gute alte Konservendose nicht außer Acht gelassen werden.

Schon zu jener Zeit, als bei uns noch täglich Dosenfleisch in den Napf kam, war mir die Menge der Konservendosen, die dadurch in die Tonne wanderten, ein Dorn im Auge. Auch heute, wenn ich durch die Regale im Tierfutterladen schleiche, schaudert es mich angesichts der reihenweise aufgestapelten Blechberge noch immer.

Wie sieht es denn beim Metallrecycling aus?

Konservendosen gehören in die gelbe Tonne und lassen sich in der Sortieranlage in der Tat relativ einfach aussortieren und recyceln. Laut REMONDIS liegt die Recyclingquote von Weißblech bei stolzen 92%, bei Aluminium immerhin bei 77%.
Der Vorteil für die Umwelt: der benötigte Energieaufwand zur Verwertung von Altmetall ist weitaus geringer als die Neuproduktion. Metall ist und bleibt ein wertvoller Rohstoff, der möglichst nicht aus dem Ressourcenkreislauf verloren gehen sollte, allein schon aus ökologischen Gründen (so paradox das zunächst auch klingen mag).

Es scheint also, als sei die Konserve doch gar nicht so schlecht, wie unser Gewissen uns einreden will.

Doch ganz ohne bitteren Beigeschmack geht es nicht:
Vom gesundheitlichen Aspekt her betrachtet ist die Dosennahrung nämlich nicht ganz unbedenklich.

Die Innenbeschichtung von Konservendosen mit einer Kunststoffschicht aus Expoidharzen kann nachweislich die darin enthaltenen Lebensmittel mit einer erhöhten Konzentration an BPA (Bisphenol A), einem Hormongift, belasten.

Dies hat eine Untersuchung verschiedener Lebensmittelkonserven durch den BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) im Jahr 2017 ergeben.

„Bisphenol A wirkt ähnlich dem weiblichen Hormon Östrogen und steht im Verdacht, selbst in sehr geringen Konzentrationen das Hormonsystem von Menschen und Tieren zu stören und Fehlentwicklungen zu verursachen, die zu späteren Erkrankungen führen können.
[…]
Viele Studien an Säugetieren und Fischen belegen, dass BPA schon in sehr geringen Dosierungen das Hormonsystem beeinflussen kann. Unter bestimmten Voraussetzungen können niedrige Konzentrationen sogar größere Schäden anrichten als höhere Mengen.“

Hormongift aus der Dose – BUND-Test zu Bisphenol A in Konserven

Wer ganz auf Nummer sicher gehen möchte, sollte also vielleicht auch die Konservendose eher meiden und stattdessen auf Nassfutter im Glas zurückgreifen – das findet man nämlich auch immer häufiger in den Regalen.

Und mit einer Recyclingquote von 85% (Vorgabe laut Verpackungsgesetz: 80%) muss sich das Glas auch keineswegs hinter der Blechbüchse verstecken.

Zumal es im plastikfreien Haushalt – außer dem Weg zum Altglascontainer – auch noch zig andere Verwendungsmöglichkeiten dafür gibt, sobald es einmal leer ist.

Artikel & Quellen zum Thema

Der ganze Text des neuen Verpackungsgesetzes (gültig ab 01.0.12019) zum Nachlesen

https://www.gesetze-im-internet.de/verpackg/index.html

Kurzer Überblick über die drei verschiedenen Verwertungswege von Kunststoff: werkstofflich – rohstofflich – energetisch

https://www.plasticseurope.org/de/focus-areas/circular-economy/zero-plastics-landfill/recycling-and-energy-recovery

Wichtigste Statistiken zum Thema Recycling (nur teilweise frei zugänglich!)

https://de.statista.com/themen/1549/recycling/

Die Zeit zur Problematik des Plastikmüll-Exportes nach China – veröffentlicht mit Beginn des Importverbots

https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-01/muellexporte-china-plastikmuell-recycling

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