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„Time to eat the dog“ – wie steht es denn tatsächlich um den ökologischen Pfotenabdruck unserer Hunde?

Unsere zweite Fastenwoche steht unter der Fragestellung, ob ein Hunde-Veggie-Tag nicht womöglich für den Erhalt des Weltklimas sinnvoll sein könnte.

Pfotenabdrücke eines Hundes im feuchten Sand

Man kann sich über die Idee eines Veggie-Tags freuen oder auch empört sein – über die Tatsache, dass eine Linse eine insgesamt bessere Ökobilanz hat als ein Nahrungsmittel tierischen Ursprungs, dürften wir uns wohl jedoch alle einig sein.

Aber: auch tierisches Futter ist nicht gleich tierisches Futter. Es macht definitiv einen Unterschied, ob der Hund die Bestandteile des Tieres bekommt, die der Mensch sowieso nicht mehr verzehren würde – oder ob er etwa feinstes Filet frisst, weil „man“ meint, das sei gut für ihn.

Das Verständnis darüber, welche Teile des Schlachttieres für den menschlichen Verzehr geeignet sind und welche nicht, hat sich in unserer Wohlstandsgesellschaft in den letzten Jahrzehnten allerdings auch um einiges verschoben. In unserem Familienerbe finden sich noch Kochrezepte mit Kopffleisch und Schweineblut – so etwas hat wohl kaum einer von uns bisher ausprobiert, oder?

Die Fragestellung nach der hündischen Ökobilanz kommt nicht von ungefähr.

Immer häufiger stolpert man in der Presse über Hinweise auf Studien, die sich mit dem negativen Einfluss unserer Haustiere auf das Weltklima befassen – mit ihrem sogenannten „ökologischen Pfotenabdruck“.

Den Anstoß hat wohl der im Jahr 2009 veröffentliche Nachhaltigkeits-Ratgeber von Robert & Brenda Vale aus Neuseeland gegeben (Time to Eat the Dog: The real guide to sustainable living):

Darin kommen die beiden zu dem Schluss, dass ein mittelgroßer Hund weitaus schädlicher für das Klima sei als die Herstellung nebst Betankung eines Geländewagens.
Bei ihren Berechnungen bezogen sie die Inhaltsstoffe handelsüblicher Futtersorten, die Menge der Ausscheidungen der Haustiere sowie ihren Einfluss auf die Wildtierpopulation mit ein.

Der New Scientist empfahl angesichts dieser Erkenntnisse, die Ernährung des Haustieres anzupassen: man könne den ökologischen Pfotenabdruck allein dadurch beinahe halbieren, dass man ihm dieselben schmackhaften (und dabei gleichzeitig weniger proteinreichen) Dinge vorsetze, die man selbst auch verzehrt.
Dem Fleisch wird hier angesichts des für seine Produktion notwendigen großen Energieaufwands eine Schlüsselfunktion zugesprochen:

„If you already have a pet, then changing its diet can help. Meat is the key, since its production is so energy-intensive. You can almost halve the eco-pawprint of your dog simply by feeding it many of the same sort of savory foods that you eat, which are likely to be far less protein-rich than most dog foods.“

Eine neuere US-amerikanische Studie aus dem Jahr 2017 kommt für die Haustierpopulation in den USA auf die folgenden Daten:

  • Der von Haustieren jährlich verbrauchte Kalorienanteil beträgt ca. 20% von dem der Menschen,
  • bezogen auf den Anteil an Nahrungsmitteln tierischer Herkunft sind es sogar 33%.
  • Die Masse der von Haustieren ausgeschiedenen Fäkalien liegt bei etwa 30% der von Menschen verursachten Gesamtmenge.
  • Insgesamt verantworten die Haustiere durch ihre Ernährung etwa 25-30% der durch die Produktion von tierischen Produkten verursachten Umweltbelastungen.

Als kritisch angedeutet wird hier die wachsende Beliebtheit der Hundehaltung in sich entwickelnden Ländern wie beispielsweise China – ebenso wie der Trend hin zu Premiumfuttermitteln mit einem höheren und dabei gleichzeitig qualitativ höherwertigen Fleischanteil.

Als Lösungsvorschläge zur Eindämmung der ökologischen Auswirkungen durch die Haustierhaltung benennt diese Studie die Reduktion der Anzahl der gehaltenen Hunde und Katzen bei gleichzeitigen Bemühungen seitens der Industrie zur Verhinderung von Überfütterung, zur Müllreduktion und zur Erschließung alternativer Proteinquellen.

„As pet ownership increases in some developing countries, especially China, and trends continue in petfood toward higher content and quality of meat, globally, pet ownership will compound the environmental impacts of human dietary choices. Reducing the rate of dog and cat ownership, perhaps in favor of other pets that offer similar health and emotional benefits would considerably reduce these impacts. Simultaneous industry-wide efforts to reduce overfeeding, reduce waste, and find alternative sources of protein will also reduce these impacts.“

Eine der aktuellsten Studien (Veröffentlichung 2018, Überarbeitung 2019) hat die Ökobilanz von Haus- und Heimtieren in der Schweiz untersucht.

Hierbei wurde für die Erstellung der hündischen Ökobilanz ein Alltagsszenario zugrunde gelegt, das sowohl das Futter als auch Zubehör, Ausbildung, Ausscheidungen und deren Entsorgung sowie regelmäßige Autofahrten (für Tierarztbesuche oder Spaziergänge) berücksichtigt.

Im Hinblick auf die Fütterung kommt man hier zu dem Schluss, dass insbesondere die Qualität des gefütterten Fleisches ausschlaggebend ist für die Umweltbelastung.
Auch hier gilt das Argument: wer vom Menschen nicht verzehrte „Reste“ füttert, ist ökologisch betrachtet klar im Vorteil – beispielsweise im Vergleich mit einer hochwertigen Fütterung nach dem BARF-Konzept:

„Bei einer Fütterung nach der BARF-Methode steigt der Fussabdruck eines Hundes hingegen beträchtlich an.  […]
Diese Form der Ernährung kann damit die Belastung eines Hundes beinahe verdreifachen, respektive verdoppeln. Einen sehr grossen Anteil an dieser Belastung hat das rohe Fleisch, welches den Hauptanteil der Ernährung bei dieser Art der Fütterung darstellt. In diesem Szenario besteht das Futter zu 75 % aus tierischen Bestandteilen, ein Grossteil davon ist hochwertiges Fleisch. Damit ist die Menge an rohem Fleisch grösser, als im Standardszenario. Sehr abhängig ist die Belastung von der gewählten Qualität des Fleisches, so sind die Belastungen von vom Menschen in der Regel eher verschmähten Fleischteilen wie Innereien, Herz, Nieren, etc. ungleich geringer als die von  absatzstarkem Fleisch.“

„Auch beim Hund entsteht die grösste Umweltbelastung bei der Futterproduktion (68 % der Belastung). Dabei sind vor allem die Emissionen bei der Fleisch- und Getreideproduktion entscheidend. Diese sind die Hauptbestandteile von Hundefutter. Zusätzlich relevant sind die Autofahrten, welche unternommen werden, um mit dem Hund an einem entfernteren Ort spazieren zu gehen (13 % der Belastung). Ausgegangen wird dabei von einer Fahrt pro Woche. Weniger Autofahrten, um den Hund Gassi zu führen, bildet eine Möglichkeit, die Umweltbelastungen zu verringern [...].“

FAZIT: WELCHE AUSWIRKUNGEN HAT ALSO DER FAKTOR "FLEISCH" AUF DEN ÖKOLOGISCHEN PFOTENABDRUCK?

  • Kritisch betrachtet werden sollte vor allem der Trend zu Premium-Produkten, die mit für den menschlichen Verzehr geeignetem Fleisch hergestellt werden – diese stehen in direkter „Nahrungskonkurrenz“ zu Lebensmitteln für den Menschen und treiben die industrielle Fleischproduktion bloß unnötig in die Höhe.

  • Fleischhaltiges Futter (oder eben Fleisch, das selbst frisch zubereitet wird) sollte aus entsprechend verantwortungsbewussten Quellen stammen – „tierische Nebenprodukte“, möglichst aus Bio-Landwirtschaft, sollten nach Möglichkeit bevorzugt werden.

  • Je größer der Hund, umso schlechter ist seine Ökobilanz (alleine aufgrund der Menge des notwendigen Futters).

Mögliche Lösungsansätze zur Verbesserung der Ökobilanz

  • Die Erschließung und Verfütterung alternativer, in ihrer Herstellung emissionsärmerer Proteinquellen (z.B. Insekten, Pflanzenprotein oder auch das – derzeit noch nicht marktfähige – Retortenfleisch) kann dabei helfen, den ökologischen Pfotenabdruck zu verringern.

  • Es kann nie schaden, auch einmal die eigenen (menschlichen) Gewohnheiten der Ernährung zu hinterfragen: wie steht es um meinen persönlichen Fleischkonsum; an welchen Stellen könnte ich evtl. noch Abstriche machen?

  • Zu guter Letzt – und vermutlich für niemanden von uns eine Option: kompletter Verzicht auf die Hundehaltung!

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