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Nachtigall, ick hör dir trapsen!

Ja, der Frühling ist da, in all seinen Facetten – und auch Herr Nachtigall hat in meinem Garten schon hoch oben in der Birke gehockt und sein Liedchen geträllert, in der Hoffnung, eine hübsche Nachtigallerin möge ihn erhören.

Heute geht es allerdings eher weniger um meinen kleinen Garten, und es geht diesmal (zumindest vordergründig) auch überhaupt nicht um Hunde…
Doch das hier wäre schließlich kein Nachhaltigkeits-Blog, wenn mich nicht auch ganz „normale“, aktuelle Nachhaltigkeits-Themen umtreiben würden.

In den „Wonnemonat Mai“ fällt in diesem Jahr nicht nur das Paarungsverhalten der unscheinbaren Vögel mit dem außergewöhnlichen Gesang – auch die sprichwörtliche Nachtigall, die eine gewisse Vorahnung mit sich bringt, findet hier als äußerst passendes Bild ihren Platz.

Die erste Woche im Mai 2019 – puh, da haben wir in Sachen Nachhaltigkeit und Klimaschutz aber ordentlich was mitgemacht!

Keine Frage: was dieses Thema betrifft, befinden wir uns in turbulenten Zeiten.

Ausgelöst durch den zunächst stillen Protest einer unscheinbaren schwedischen Jugendlichen gehen seit Wochen Schüler – und inzwischen auch Wissenschaftler, Unternehmen, Eltern, Rentner, stinknormale Bürger… – regelmäßig auf die Straße, um uns allen hier draußen die Endlichkeit unserer Ressourcen vor Augen zu führen und wieder und wieder darauf hinzuweisen, dass es so, wie es bei uns derzeit läuft, nicht weiter gehen kann.


Die Schülerbewegung Fridays For Future und seit April auch die in Großbritannien entstandene Protestbewegung Extinction Rebellion bestimmen in diesen Tagen unsere Schlagzeilen.

„Das nervt aber so langsam, sollen die doch alle lieber in die Schule gehen und etwas Anständiges lernen. Immer nur reden und Andere zum Handeln auffordern kann schließlich jeder, sollen die doch erst einmal selbst etwas verändern! Warum sollten WIR etwas tun, solange DIE uns keine Lösung präsentieren?“

ENTSCHULDIGUNG?!

Nur, weil WIR das Erbe unserer Ahnen mit Füßen treten…
Nur, weil WIR technische Errungenschaften für unsere kurzfristige Selbstzerstörung nutzen anstatt sie mit Weitblick* einzusetzen…

(*und „Weitblick“ heißt hier leider nun einmal auch:
über den Tellerrand unserer eigenen Lebensspanne hinaus, selbst wenn wir ganz persönlich vielleicht nichts mehr davon haben werden!)

Nur, weil WIR uns so danebenbenehmen, dürfen wir der nachfolgenden Generation noch lange nicht das Recht absprechen, dass sie für ihre eigene Zukunft kämpft – und vor allem für die ihrer Kinder und Enkelkinder, sofern es für diese dann überhaupt noch einen bewohnbaren Planeten gibt.

Das wäre wohl in etwa genauso anmaßend, als würden wir von 16-Jährigen erwarten, dass sie auf einen Schlag sämtliche Klimaprobleme der Welt lösen anstatt „nur“ mit selbst gemalten Plakaten auf Straßen herumzustehen…

Langer Rede kurzer Sinn: die Themen Klima und Nachhaltigkeit sind momentan – glücklicherweise – in aller Munde.

Und mich beschleicht das Gefühl, dass wir uns in einer historischen Phase befinden, die später einmal in die Geschichtsbücher eingehen wird (oder Geschichts-Ebooks, oder was auch immer man dann haben wird).

Dieser Zeitenwende – ich glaube tatsächlich, dass es eine ist – beiwohnen zu dürfen erfüllt mich ein wenig mit Stolz. Ich bin auch nur ein kleines Rad in einer riesigen Maschinerie, aber dennoch möchte ich meinen kleinen Teil auf meine eigene Art und Weise beitragen.

„Was kann ich als Einzelner denn schon erreichen?“

Nun, noch vor einem Jahr hätte wohl niemand es für möglich gehalten, dass ein einzelnes Mädchen mit Zöpfen und einem Pappschild einen derart großen Stein ins Rollen bringen könnte…

Nun aber zurück zur „historischen“ Kalenderwoche Nummer 18 im Jahr 2019!

„Freud‘ und Leid“ haben sich in diesen Tagen gegenseitig die Klinke hin und her gereicht:

Montag, 29. April 2019

 (Symbolischer) Tag der Lebensmittel-Verschwendung

Alle bis zu diesem Zeitpunkt in Deutschland produzierten Lebensmittel waren (zumindest rein rechnerisch betrachtet) auf gut Deutsch und im wahrsten Sinne des Wortes „für die Tonne“.

Die Rede ist hier laut WWF von 18 Millionen Tonnen überflüssig produzierten Lebensmitteln – verbunden übrigens mit einer Emission von 48 Millionen Tonnen Treibhausgasen.

Dem Ganzen noch die Krone der Absurdität aufgesetzt hat schließlich der

Freitag, 3. Mai 2019

Deutscher „Earth Overshoot Day“ – oder auch „Erdüberlastungstag“

Wieder ein symbolischer Tag – und auch dieser zog uns mahnend eine Keule über den Kopf: würden alle Menschen auf der Welt solch einen Lebensstil führen wie wir Deutschen, dann hätten wir bis zu diesem Tag sämtliche Ressourcen der Erde aufgebraucht.

Im Umkehrschluss heißt das: man bräuchte 3 Erden, um alle dafür benötigten Ressourcen aufzubringen.

Wir produzieren also unter anderem Millionen Tonnen an Lebensmitteln für die Tonne – einfach nur, um in etwa in der gleichen Zeit unsere (nicht in ausreichender Menge vorhandenen) Ressourcen aufzuzehren?
Das will mein Verstand irgendwie nicht so recht begreifen.

Je nachdem, wie man es betrachtet, können wir uns aber natürlich glücklich schätzen, dass viele Nationen mit einem niedrigeren Entwicklungsstand als unserem zwangsläufig auf kleinerem ökologischem Fuß leben als wir.
Der globale „Earth Overshoot Day“ wird daher erst im späteren Verlauf des Jahres eintreten, das Datum ist derzeit noch nicht bekannt – im vergangenen Jahr 2018 z.B. fiel dieser Tag auf den 1. August.

Doch es gab nicht nur schlechte Nachrichten in dieser spannenden Woche, sondern auch gute!

Insbesondere eine Meldung hat mich mit großer Hoffnung erfüllt:

Dienstag, 30. April 2019

Das britische Parlament bekennt sich in einer Abstimmung zum „Klimanotstand“

Diese Meldung erreichte mich am Morgen des 1. Mai im Halbschlaf aus meinem Radiowecker heraus.

Klima-Was? Das musste ich nach dem Aufstehen erst mal googeln (zugegeben, die Verwendung von Ecosia ist für mich leider noch nicht zur Routine geworden; ich arbeite aber daran…).

„Klimanotstand“ klingt nach einem Mangel, es klingt ein bisschen wie: „Mir fehlt Klima, ich brauche jetzt ganz dringend Klima!“ – da gefällt mir der englische Begriff doch irgendwie um Längen besser: CLIMATE EMERGENCY.

Ein „Emergency“ ist ein Notfall, wie wir ihn bilderbuchhaft aus Fernsehserien kennen; er ist etwas, aufgrund dessen man mit Blaulicht ins Krankenhaus eingeliefert und bei Bedarf sofort notoperiert wird, da geht es um Leben und Tod!

Aber gut, wie auch immer wir es nun betiteln, worum geht es?

Vor der Abstimmung am Dienstagabend hatten bereits Schottland und Wales sowie einzelne britische Kommunen den Klimanotstand ausgerufen; dieser Druck wurde nun weiter getragen bis ins Parlament.

In erster Linie ist das Bekenntnis zum Klimanotstand ein symbolischer Akt; und doch geht es um nichts Geringeres als die Anerkennung der Tatsache, dass wir uns in einer Krise befinden und dass es JETZT an der Zeit ist zu handeln.

Es geht um eine schnelle Umsetzung von Maßnahmen zum Klimaschutz, insbesondere um einen schnellen Ausstieg aus der fossilen Energie und die Reduktion von Emissionen. Es geht um den Erhalt bzw. die Wiederherstellung von Natur und um den Aufbau einer „zero waste economy“.

Für die nächste gute Nachricht springen wir nun auf der Zeitleiste noch einmal vor, und zwar zum

Donnerstag, 2. Mai 2019

Die Stadt Konstanz ruft als erste deutsche Stadt den Klimanotstand aus

Die Welle ist nun also auch von der britischen Insel über den Ärmelkanal nach Deutschland herübergeschwappt: der Gemeinderat der Stadt Konstanz hat einstimmig beschlossen, ab sofort in sämtlichen Entscheidungen die Klimafrage vornean zu stellen; insbesondere in den Bereichen Verkehr, Energie und Bauen.

Auch das wieder ein eher symbolischer Akt – und doch ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Veränderung, auch hier erkennt die Politik die Notwendigkeit von Klimaschutzmaßnahmen an.

Wie sagt ein Sprichwort so schön:
„Steter Tropfen höhlt den Stein.“

Man könnte fast den Eindruck bekommen, als hätten die vielen „lächerlichen“ Proteste nach und nach doch etwas erreicht; beinahe scheint es möglich, dass nun ein Dominostein nach dem anderen fallen und vielleicht sogar noch ein flächendeckendes Umdenken möglich werden könnte.

Der Monat Mai hat gerade erst begonnen – geht er womöglich als Wendepunkt für unsere Klimapolitik in die Geschichte ein?

In der Kalenderwoche Nummer 21 nämlich, in der Zeit vom 23. bis 26. Mai, werden die EU-Mitgliedsstaaten nach fünf Jahren wieder einmal das Europäische Parlament wählen.

Nach dem ganzen Gezerre um den Brexit nun übrigens wohl doch noch unter Beteiligung Großbritanniens – wir erinnern uns: dort hat man gerade unter großem Druck der Bevölkerung einen Climate Emergency ausgerufen…
Welches politische Parkett könnte wohl besser geeignet sein für flächendeckende Veränderungen als ein internationales? Sogar eher konservative Parteien, von denen ich das jetzt nicht unbedingt erwartet hätte, haben das Wort „Klimaschutz“ in dicken Lettern auf ihre dicken Wahlplakate gedruckt.

Alleine in Deutschland befinden sich unter den 64,8 Millionen Wahlberechtigten EU-Bürgern 3,9 Millionen junge Erstwähler, also 6%.
„Erstwähler“, das sind die jungen Leute im Alter zwischen 18 und 23 Jahren, die zum ersten Mal zur Teilnahme an einer Europawahl berechtigt sind.

Und das sind übrigens auch jene jungen Leute, die vielleicht gerade kurz vor ihrem Schulabschluss stehen oder diesen soeben hinter sich gebracht haben – und die gerne, besonders freitags, mit selbstgemalten Pappschildern auf die Straße gehen, um der Welt da draußen in Erinnerung zu rufen, dass auch sie noch eine akzeptable Zukunft auf diesem Planeten haben möchten.

Bei dieser Wahl wird es ganz klar mit an vorderster Front auch um die Klimafrage gehen. Nach allem, was in den letzten paar Tagen passiert ist – und vielleicht in den kommenden Wochen noch passieren wird…

Unser Blick wird sich in der nächsten Woche wohl auf jeden Fall nach Berlin richten. Denn dort soll am Montag (6. Mai) eine Volksinitiative an die Öffentlichkeit treten und um Unterstützer werben – ihr Ziel: auch die Hauptstadt soll sich dem Vorbild von Konstanz (und Großbritannien, und übrigens auch Basel, Los Angeles, Vancouver…) anschließen und den Klimanotstand ausrufen.

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