Achtsamkeit,  Gesellschaft

Hundeboom in der Pandemie

Welche Folgen hat die Flut der in Zeiten von Corona angeschafften Hunde – auf die Hunde und auf unsere Gesellschaft?

Wir befinden uns mitten im Shutdown.

Viele von uns sitzen schon deutlich länger zu Hause, als wir es aus früheren Zeiten gewohnt sind und als es uns womöglich lieb ist. Viele von uns vielleicht allein, von den bisher üblichen sozialen Kontakten abgeschnitten. Andere von uns vielleicht mit Kindern, die es zu beschulen oder zu bespaßen gilt, während gleichzeitig vom improvisierten Homeoffice aus aber auch die alltäglichen Brötchen verdient werden wollen.

Eine schwierige Situation und eine harte Geduldsprobe, keine Frage.

Wie vermutlich viele andere Hundebesitzer*innen auch, muntere ich mich in eher düsteren Phasen meines Lebens mit diesem Gedanken auf:

„Ach, welch ein Glück es doch ist, dass meine Hunde mir in dieser Zeit Gesellschaft leisten!“

Ich kann es daher wirklich gut nachvollziehen, dass die – vielleicht ohnehin schon vorhandene – Sehnsucht nach einem vierbeinigen Gefährten in dieser für viele von uns sehr belastenden Zeit der Pandemie bei vielen Menschen noch stärker in den Vordergrund rückt.

Die Bedeutung von Hunden für das menschliche Wohlbefinden

Hunde sind in unserer modernen Gesellschaft zu wichtigen Sozialpartnern geworden, sie sind emotionale Stütze, Konstante im Alltag, Freizeitinhalt, Lebensaufgabe, Bezugspunkt, Partner- oder Kindersatz. Und als das Tier, das über die längste Evolutionsgeschichte an der Seite des Menschen verfügt – aktuellen wissenschaftlichen Schätzungen zufolge immerhin etwa stolze 30.000 Jahre – steht dem Hund sein Platz in der unmittelbaren Nähe des Menschen auch ohne Zweifel zu.

Das entspannte Beisammensein, das Streicheln des Hundes und sogar bloß ein vertrauter Blickkontakt führt auf beiden Seiten, also bei Mensch und Hund, zur Ausschüttung des Bindungs- oder auch „Kuschel“hormons Oxytocin. Oxytocin sorgt für ein allgemeines Gefühl des Wohlbefindens, senkt Stress und Blutdruck und kann sogar eine positive Wirkung auf Depressionen und Ängste haben – also so ziemlich genau das, was wir brauchen in dieser Zeit voll von Verunsicherung und Zukunftsängsten.

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„Ein Leben mit Hunden und anderen Tierkumpanen verschiebt offenbar das Gleichgewicht zwischen Stress und Beruhigung, zwischen Angst und Glück ein wenig in Richtung des Beruhigungssystems, in dem die Hormone Oxytocin und Dopamin zentrale Rollen spielen. Im Endeffekt nimmt ein Leben mit Tieren also auf das labile Gleichgewicht zwischen Gesundheit und Krankheit Einfluss.“
Kurt Kotrschal (2016)
"Hund & Mensch - Das Geheimnis unserer Seelenverwandtschaft", 1. Aufl., Wien: Brandstätter Verlag, S. 54

Auch ich verspürte über viele Jahre eine große Sehnsucht nach einem Hund in meinem Leben, die lange unerfüllt blieb. Bis irgendwann die Lebensumstände passten und es soweit war, dass Aida bei mir einziehen sollte, hatte ich mir sehr viele Gedanken gemacht:

    • Was ist, wenn ich in den Urlaub fahren will?
    • Kann der Hund mit zur Arbeit?
    • Was für eine Art Hund passt zu mir?
    • Bekomme ich das finanziell überhaupt hin?

Am Ende wurde es ein erwachsener Tierschutzhund mittleren Alters von eher ruhigem und anspruchslosem Gemüt, der geräuschlos und beinahe unsichtbar mit ins Büro gehen konnte und sich auch zu Hause genauso verhielt. Bei mir einziehen durfte meine neue, haarige Lebensabschnittsgefährtin allerdings erst, nachdem ich alle notwendigen Bestätigungen von Vermieter und Arbeitgeber vorgelegt und mich durch zahlreiche Besuche im Tierheim ausreichend für die Vermittlung qualifiziert hatte.

So, wie das eben nun einmal bei verantwortungsvollen Tierschutzvereinen läuft.

Was hat sich durch Corona verändert?

Seit wir unter den durch die Corona-Pandemie bedingten Einschränkungen leben, sehe ich nun ständig „neue“ Hunde bei mir im Dorf und auf den umliegenden Feldern, und da frage ich mich unweigerlich: Wo um Himmels Willen kommen die alle bloß auf einmal her?!

Ein kleiner Zahlen-Exkurs:

Statistischen Erhebungen zufolge lebten im Jahr 2019 10,1 Millionen Hunde in Deutschland, die menschliche Bevölkerung belief sich zur gleichen Zeit auf 83,2 Millionen. Das bedeutet: auf 8,23 Menschen kam (in 2019!) ein Hund. Tendenz steigend, wie ein Blick auf die Zahlen der Vorjahre zeigt.

Wenn ich mich in meiner Nachbarschaft in einem rund-5000-Seelen-Örtchen so umsehe, liegen wir hier allerdings mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit weit über dem Durchschnitt. In gefühlt jedem zweiten bis dritten Haushalt leben Hunde, und die Nichthundehaushalte werden durch die hohe Anzahl der Mehrhundehaushalte kompensiert. Es gibt mit Sicherheit auch starke regionale Unterschiede, insbesondere zwischen städtischen und eher ländlichen Gebieten, doch die Zahlen sprechen trotzdem (oder vielleicht auch umso mehr) für sich.

„Seit Corona“, wie man ja so schön sagt, sehe ich also bei den täglichen Gassi-Streifzügen in unserem „Revier“ inzwischen ständig unbekannte Hunde (und Menschen), die wie Aliens plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht zu sein scheinen.
Anfangs habe ich mir noch nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht – klar schaffen sich immer mal wieder Leute neue Hunde an, vermutlich gehen aufgrund von Homeoffice viele Menschen jetzt zu anderen Zeiten spazieren als sonst, vielleicht sind das auch einfach Leute aus der Stadt, die mal einen Tapetenwechsel brauchen…

Aber inzwischen ist es mehr als deutlich, dass auch hier der Corona-Hundeboom zugeschlagen hat!


Und der ist keineswegs bloß eine Einbildung:

Das Haustierregister Tasso vermeldete jüngst, dass die Nachfrage nach Haustieren im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie stark angestiegen sei. Im Jahr 2020 stieg die Zahl der Neuregistrierungen von Hunden bei Tasso um insgesamt 8% gegenüber dem Vorjahr (in „normalen“ Jahren liegt dieser Anstieg bei 4-5%), in bestimmten Monaten (November & Dezember 2020 – also mit Beginn des zweiten Lockdowns) sogar um 20%. Auch bei den Katzen waren es im November 2020 25% mehr als im Vorjahr – auch eine sehr eindrucksvolle Zahl, aber um Katzen geht es hier ja gerade nicht. 

Und wenn wir uns diese Zahlen ansehen, müssen wir auch bedenken, dass mit Sicherheit längst nicht alle neu angeschafften Hunde bei Tasso registriert wurden! Die „Dunkelziffer“ der Corona-Hunde, wie ich sie nun einmal nennen will, liegt sicherlich weitaus höher.

Wir können somit davon ausgehen, dass die Zahlen für die Jahre 2020 und 2021 die Kurve der deutschen Hundepopulation deutlich weiter in die Höhe treiben werden.

Aber was genau ist daran jetzt so besorgniserregend?!

Höhere Hundedichte = mehr Probleme?

Es gibt verschiedene Gründe, warum mich die große Zahl der coronabedingten Hunde-Neuzugänge zunehmend mit Sorge erfüllt. 

Natürlich nerven mich die ständigen unfreiwilligen Begegnungen mit fremden Hunden, wegen denen viele unserer Spaziergänge auf dem Dorf unentspannter ausfallen als bisher. Aber damit habe ich mich inzwischen arrangiert, wir haben unsere Ausweichtaktik perfektioniert (spontane Trainingseinheiten „ausweichen und absitzen“ gehören inzwischen fast zu jedem Spaziergang dazu) und unsere Gassizeiten ein wenig angepasst.

Schlechte Grundlagen aufgrund von geschlossenen Hundeschulen?

Ein mulmiges Gefühl im Bauch ruft in mir der Gedanke daran hervor, wie viele dieser anfangs noch so niedlichen Corona-Welpen aufgrund von mangelnder bis schlechter Sozialisierung und Grunderziehung später wohl Verhaltensprobleme an den Tag legen werden. Denn schließlich sind „seit Corona“ nicht nur die Kneipen und Kinos geschlossen, sondern auch (in den meisten Bundesländern) die Hundeschulen!

Einzeltrainings sind nach aktuellem Stand zwar glücklicherweise vielerorts inzwischen wieder erlaubt, Gruppentrainings oftmals allerdings noch nicht.

Und das, obwohl gerade diese einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass Hunde und Menschen in einer Gesellschaft friedlich nebeneinander koexistieren können – und obwohl diese Trainings problemlos unter freiem Himmel und unter Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln stattfinden könnten.

Angesichts der weitgreifenden gesellschaftlichen Folgen, die eine ganze Generation an schlecht ausgebildeten, verhaltens„originellen“ (Jung-)Hunden womöglich mit sich bringen wird, könnte man die Arbeit der Hundetrainer*innen also sogar durchaus als systemrelevant einstufen!

Hundetrainer*innen aller Couleur haben sich daher längst online zusammengetan, um eine schnellstmögliche Wiederöffnung der Hundeschulen zu erwirken. Da gibt es beispielsweise eine Video-Demo und eine Aktion, die unter dem Hashtag #öffnethundeschulen in den sozialen Netzwerken geführt wird – ebenso wie eine Petition zur vollständigen Öffnung der Hundeschulen, auch für Gruppen, bezogen auf das Land NRW (das Bundesland mit der größten Hundepopulation und somit auch dem größten Risikopotential in Sachen Beißvorfälle).

Privater Hundetreff statt Hundeschule?

Zwar versuchen viele Hundehalter*innen, über die sozialen Netzwerke gleichaltrige Welpen für das gemeinsame Spiel zu finden (Gesuche dieser Art lese ich täglich in verschiedenen Hundegruppen auf Facebook), aber dass eine gute Hundeschule weitaus mehr leistet als nur Welpenspiel, wird dabei nicht bedacht. In dieser findet nämlich nicht nur die Sozialisierung und Grundausbildung des Hundekindes statt, sondern auch eine Art Sprachkurs „Menschisch-Hündisch“ für den zweibeinigen Teil des Mensch-Hund-Gespanns!

Dazu kommt, dass die professionelle Begleitung durch eine*n Trainer*in sich abzeichnende Verhaltensprobleme (z.B. aufgrund der individuellen Vorgeschichte des Hundes) sowie Erziehungs- und Haltungsfehler bereits aufzeigen und im Keim ersticken kann, bevor sie zu einem gefestigten Problem werden – auch und besonders im Bereich von Aggressionsverhalten. Fällt diese Begleitung über den gesamten Entwicklungszeitraum des Hundes weg (also vom Welpenalter über die Pubertät bis hin zum, zumindest körperlich, ausgewachsenen Hund), wie wir es derzeit dank der Pandemie erleben, dann braucht man nicht sehr viele Finger, um sich die möglichen Auswirkungen daran abzuzählen.

Haben wir es also in absehbarer Zukunft vielleicht nicht nur mit einer großen Anzahl schlecht umweltsozialisierter, verhaltensauffälliger Hunde zu tun, die (dank Homeoffice) nie richtig gelernt haben, alleine zu bleiben? Sondern auch noch mit der gleichen Anzahl an Menschen, denen es am Verständnis für das hündische Ausdrucksverhalten und die Lerntheorie mangelt? Menschen, deren Wissen womöglich aus althergebrachten Mythen und längst überholten Erziehungsmethoden besteht, das sie sich irgendwo in den Weiten des WWW angeeignet haben?

Leben wir dann vielleicht in einer Welt voller unerzogener Tutnixe und desinteressierter Menschen, die sich auf dem Spaziergang lieber mit ihrem Smartphone beschäftigen statt mit ihrem ach-so-sehnlich-erwünschten Vierbeiner?

Viele Fragen, die man sich VOR der Anschaffung eines Hundes, z.B. in Bezug auf die eigenen Lebensumstände, auf die Ausbildung eines Hundes und natürlich auch auf die Auswahl einer Zuchtstätte oder eines Tierschutzvereins stellen sollte, werden in dieser sehr aufschlussreichen Diskussion zwischen Vertretern aus den Bereichen positives Hundetraining, Tierschutz, Zucht und Tiermedizin unter der – leicht augenzwinkernden – Fragestellung “Sind Hunde das neue Klopapier?” beleuchtet:

Hundekauf während Corona - Problem oder Chance?

Der Schatten der Pandemie

Für mich als Halterin von zwei semi-verträglichen, reizempfindlichen und jagenden Hunden mit Hang zur Leinenpöbelei ist so eine Welt voller „Tutnixe“ keine schöne Vorstellung – aber wahrscheinlich werden wir diese ja auch gar nicht erleben müssen.

Zumindest nicht öffentlich auf unseren Straßen und Feldern, weil sich das Problem vermutlich sehr schnell hinter die Gitter der Tierheimzwinger verlagern wird.

Tierschutzverbände und -vereine befürchten nämlich längst eine große Abgabewelle von Hunden in Tierheimen „nach Corona“. Also dann, wenn Menschen wieder in Büros arbeiten anstatt zu Hause, wenn Jugendliche wieder zur Schule gehen und den Hund zur nachmittäglichen Bespaßung nicht mehr brauchen, wenn Reisen wieder möglich sind… Oder eben auch dann, wenn der einstige Welpe nicht mehr ganz so klein und niedlich ist, sondern anfängt seine eigenen Regeln aufzustellen, unerwünschte Verhaltensweisen festigt und „plötzlich“ zum Problemhund wird.

Spätestens dann wird sich zeigen, welche Corona-Hunde wirklich gut durchdacht und bewusst während der Lockdown-Zeit angeschafft wurden – und welche vielleicht doch eher unüberlegt und zum vorübergehenden Zeitvertreib.

Das Tierheim Bergheim, das dem BMT angehört, startete aus diesem Anlass im Januar 2021 die Social-Media-Aktion „Ein Freund fürs Leben – nicht für den Lockdown!“, die bundesweit in der Presse und im Fernsehen für Aufmerksamkeit gesorgt hat.
Die Tierheime können sich aktuell vor Vermittlungsanfragen, oftmals zweifelhafter Natur, kaum retten („Hauptsache, ein Tier“) und warnen deshalb eindringlich vor der unüberlegten Anschaffung eines Haustieres – nur, weil man eben jetzt gerade die Zeit dafür hat und ja sowieso zu Hause ist.

Unüberlegt während der Pandemie angeschafft - und schon bald ein Fall fürs Tierheim?

Woher kommen bloß all die Hunde?

Dass die gesteigerte Nachfrage natürlich auch Öl auf die Mühlen der illegalen Hundevermehrer ist, die nicht nur niedliche, nicht selten todkranke und viel zu junge Welpen aus Kofferräumen heraus verkaufen, sondern oftmals auch vermeintliche „Rassewelpen aus Privatzucht“, dürfte spätestens jetzt klar sein.

Angesichts der Tatsache, dass seriöse Züchter Wartelisten führen und man dort eventuell auch schon einmal ein paar Jahre auf den passenden Hund warten muss, erklärt es sich nun wohl auch von selbst, dass der rasant gestiegene „Bedarf“ an Rassehunden über diesen Beschaffungsweg keinesfalls gedeckt werden kann!

Und nicht nur der illegale Handel mit meist osteuropäischen Vermehrerwelpen für mehrere tausende Euro boomt, sondern auch der – aus mir wirklich nicht nachvollziehbaren Gründen – immer noch legale stationäre Verkauf von Hunden (und natürlich auch anderen Tieren) im „größten Zoofachgeschäft der Welt“ in Duisburg.

Gleichzeitig werden auf dubiosem Wege „Tierschutz”-Hunde – nicht selten Welpen – aus dem Ausland herbeigeschafft, wie es aktuelle Beispiele von zweifelhaften Transporten zeigen, die von den Behörden aufgegriffen wurden. Nicht jede Organisation, die herrenlose Hunde aus Süd- oder Osteuropa importiert, arbeitet verantwortungsvoll und seriös: Transporte sind überfüllt, Ruhe- und Pausenzeiten werden nicht eingehalten, und sogar Geburts- und Impfdaten werden gefälscht, damit die Einfuhr der Welpen schon vor dem gesetzlich erlaubten Alter von 15 Wochen erfolgen kann.

Leider wirft derartiges Vorgehen gleichzeitig auch ein schlechtes Licht auf diejenigen Organisationen, die wirklich gesetzeskonform arbeiten und verantwortungsvoll mit ihren Tieren umgehen. Wer sich dafür entscheidet, einen Auslandshund nicht übers Tierheim (dort gibt es sie nämlich auch!) zu adoptieren, sondern über eine kleinere Organisation, der sollte sich im Vorfeld wirklich gründlich über diese informieren und vielleicht auch Erfahrungsberichte anderer Adoptanten einholen. Wie schwer es bisweilen sein kann, in diesem Bereich die schwarzen Schafe von den weißen zu unterscheiden, zeigt dieser aktuelle Blogbeitrag von Tierarzt Ralph Rückert.

Besonders schockiert hat es mich aber zu hören, dass die Zahl der Hunde, die vor Geschäften oder gar aus parkenden Autos gestohlen wurden, in den letzten Monaten drastisch zugenommen hat. Ein Ausmaß der organisierten Kriminalität, wie man es eigentlich nur aus Sonntagabendkrimis zu kennen glaubt, nicht aber aus dem realen Leben! Und auch diese Hunde werden auf irgendeinem Weg gewinnbringend an den hundehungrigen Mann oder an die sehnsuchtsgeplagte Frau gebracht – höchstwahrscheinlich ebenfalls unter dem scheinbar unendlich weiten Deckmantel des sogenannten Tierschutzes…

Natürlich besteht auch während der Pandemie immer noch die Möglichkeit, einen Hund über das örtliche Tierheim zu adoptieren – allerdings schauen die Tierheime verständlicherweise aus den oben genannten Gründen aktuell noch genauer hin als sonst, so dass eine Vermittlung durchaus auch einmal, zum Wohle des Tieres, abgelehnt werden kann. Das muss nicht zwangsläufig heißen, dass man für die Haltung eines Hundes grundsätzlich ungeeignet ist, es bedeutet nur, dass es dort aktuell eben einfach nicht den passenden Hund für einen gibt – oder aber auch, dass man seine derzeitigen Lebensumstände grundsätzlich noch einmal dahingehend überprüfen sollte, ob ein Hund wirklich hineinpasst.

Gut Hund will Weile haben!

Wer also, aus welchen Gründen auch immer, auf dem seriösen Weg, z.B. übers Tierheim oder über einen Züchter, keinen Hund bekommt, hat noch zig andere unseriöse Möglichkeiten, die Sehnsucht nach der Gesellschaft eines vierbeinigen Gefährten zu stillen – und zwar jetzt und sofort! Weil es für viele Menschen offenbar einfach nicht möglich ist, ein paar Monate oder vielleicht sogar Jahre zu warten, bis sich der passende Hund im Tierheim findet oder bis man auf der Warteliste einer verantwortungsvollen Zuchtstätte bis ganz nach oben gerückt ist.

Aber kann man in solchen Fällen dann wirklich noch von „Tierliebe” oder gar „Tierschutz“ sprechen?!

Was vor der Anschaffung eines Hundes bedacht werden sollte

  • Immer erst sich selber auf den Prüfstand stellen – ein Hund ist eine Anschaffung fürs Leben! Kann diese Verantwortung wirklich dauerhaft übernommen werden, auch finanziell?
  • Keinen Hund über Kleinanzeigen oder ebay kaufen – dort tummeln sich die illegalen Vermehrer!
  • Auf keinen Fall einen Hund im Zoogeschäft kaufen!
    Auch hier geht es ausschließlich ums Geld.
  • Bei Besichtigung der Welpen immer auch die Mutter zeigen lassen!
    Passt die vermeintliche Mutter zu den Welpen, wie verhält sie sich, hat sie ein Gesäuge ausgebildet? Kann die Mutter – aus welchen Gründen auch immer – nicht besichtigt werden, dann gilt: Finger weg!
  • Keinen Hund ohne ordentlichen Vertrag und gültige Impfungen kaufen!
    Seriöse Züchter und Tierschutzvereine verpflichten sich dazu, den Hund im Zweifelsfall wieder zurück zu nehmen. Impfungen, z.B. gegen Parvovirose, schützen vor Erkrankungen, die für Welpen oft tödlich verlaufen können.
  • Unbekannte Tierschutzorganisationen und Vereine genau überprüfen!
    Werden Transporte sachgemäß durchgeführt, sind die Tiere medizinisch durchgecheckt und geimpft (EU-Heimtierausweis!), gibt es Erfahrungsberichte von anderen Adoptanten, welche Menschen stecken dahinter?
  • Wann immer möglich warten, bis der passende Hund kommt!
    Dadurch lässt sich im Verlauf des späteren Hunde-Lebens viel Ärger vermeiden – auch das Risiko für eine spätere Abgabe, weil der Hund doch nicht ins Leben passt, verringert sich dadurch.

Nur die Spitze des Eisbergs - mögliche Langzeitfolgen

Und all das sind erst einmal nur die Probleme, die wir derzeit rund um die Anschaffung der Corona-Hunde und in der ersten Phase ihrer Entwicklung sehen!

Wenn so viele Menschen schon bei der Entscheidung für die Anschaffung eines Hundes so wenig Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein an den Tag legen, wie mag das dann bloß in anderen Bereichen ihres späteren (Hunde-)Lebens aussehen – sofern die Hunde aus nachlassendem Interesse oder aufgrund von Überforderung nicht sowieso nach kurzer Zeit im Tierheim abgegeben werden?

Auch die Heimtierindustrie wird in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich einen deutlichen Aufschwung erfahren, denn alle neu angeschafften Corona-Hunde – völlig egal, ob legal oder illegal, wohlüberlegt oder im Kurzschluss angeschafft – müssen, sofern sie die erste Zeit überhaupt überleben, schließlich essen und spielen und Gassi geführt werden und auf irgendetwas liegen. Bedeutet das dann also noch mehr China-Importware, noch mehr Massentierhaltungs-Futter, noch mehr grenzenlosen Konsum?

Vielleicht werden sich viele der Corona-Hundehalter*innen sogar Gedanken darüber machen, wie sie ihre Lockdown-Gefährten möglichst artgerecht ernähren können und dann angesichts der Fülle von „Experten“wissen im Internet zu dem Schluss gelangen, dass eine fleischlastige Fütterung mit einem tierischen Anteil von 80% genau das Richtige für den geliebten Vierbeiner sein könnte. Das wäre durchaus ein weiterer Rückschlag für die Ökobilanz unserer Hundepopulation, vom Wohl der „Nutz“tiere – deren Aufzucht einen enormen Anteil zu ebendieser Ökobilanz beiträgt – einmal ganz abgesehen…

Immer positiv bleiben und auch die Chancen sehen!

Doch wenn sich auch nur die Hälfte der Corona-Neuhundehalter*innen ein paar Gedanken über den ökologischen Pfotenabdruck ihrer vierbeinigen Lebensabschnittsgefährten macht, dann können wir in Sachen Hunde-Klimaschutz zukünftig vielleicht sogar ein bisschen mehr bewegen.

Damit wäre die dramatisch wachsende Hundepopulation dann womöglich sogar für irgendetwas gut – ganz nach dem Motto: „Wir sind
Wenn Du Dich noch ausführlicher über dieses Thema informieren möchtest, dann schau doch auch einmal auf dem HundSinn-Youtube-Kanal vorbei!

Dort habe ich für Dich und alle anderen interessierten Leser*innen eine “Corona-Hunde”-Playlist mit ausgewählten Beiträgen und Reportagen zusammengestellt – natürlich findest Du dort auch das oben verlinkte Interview sowie die Video-Demo der Hundeschulen!

UPDATE 26.03.2021

Kurz nachdem dieser Beitrag hier online gegangen ist, hat der Industrieverband Heimtierbedarf e.V. (IVH) seine Zahlen für das Jahr 2020 veröffentlicht.

Demnach ist nach den statistischen Erhebungen des IVH die Hundepopulation während des Pandemie-Jahres 2020 von vorher 10,1 auf 10,7 Millionen angestiegen, was eine lineare Steigerung des bisherigen Wachstums bedeutet. Wir sehen hier also zwar einen deutlichen Zuwachs, allerdings entspricht dieser eher dem sowieso schon vorhandenen steigenden Trend.

Diese Zahlen spiegeln natürlich nur den Zustand der Ist-Population wider – wir können daraus nicht ersehen, wie viele Hunde tatsächlich neu angeschafft wurden oder wie hoch die Zahl der verstorbenen Hunde ist. Bleibt also erst einmal noch abzuwarten, wie sich der Trend im Verlauf des Jahres 2021 wohl fortsetzen wird…

Auch der Zuwachs in den Bereichen Futter und Zubehör entspricht in etwa der Tendenz der vergangenen Jahre.

Hier die aktualisierten Grafiken:
Hundepopulation 2010 bis 2020
Hunde, Futter & Zubehör 2010 bis 2020

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