Stress-Fasten

Wer hat an der Uhr gedreht?!

Mal abgesehen davon, dass wir seit Beginn der Fastenzeit alle einmal an der Uhr gedreht haben – inzwischen befinden wir uns in der Sommerzeit – sind die ersten fünf Fasten-Wochen einfach rasend schnell ins Land gegangen.

Nach dieser rasanten Achterbahnfahrt durch sämtliche Bereiche des Themas „Nachhaltigkeit“ wollen wir in der letzten Woche nun wieder ein wenig zur Ruhe kommen.

Unser Motto für Woche #6 heißt: STRESS-FASTEN!

 

Die Aufgabe:

Erlaube in dieser Woche Deinem Hund, Dich zu erden!

 

Der Hund ist ein Wesen, das uns erdet.

Aller Verzicht auf Konsum, Plastik und Massentierhaltung bringt reichlich wenig, wenn wir dabei nicht auch nachhaltig mit den wichtigsten Lebewesen in unserem Leben umgehen: mit uns selbst – und natürlich mit unseren Hunden.

Was bedeutet das, nachhaltig mit uns selbst umzugehen?
In erster Linie heißt es wohl, dass wir uns respektieren, unserem Körper keinen Schaden zufügen (weder physisch noch psychisch) und an der langfristigen – also nachhaltigen – Gesunderhaltung unseres Körpers und unserer Seele interessiert sein sollten.

Eine Sache wird in unserer hektischen, von Technologie dominierten Zeit allerdings gerne oft vergessen: wir sind und bleiben ein Teil der Natur um uns herum. Die Wurzeln der Menschheit liegen im (Ur-)Wald, die Spezies „homo sapiens“ ist genau so aus der Evolution hervorgegangen wie der Wolf und etwas später mit unserer Hilfe der Hund – wir sind keine Roboter von einem anderen Planeten, die mit all dem nichts zu tun haben, sondern biologisch betrachtet immer noch Tiere…

Und genau das ist mit Sicherheit auch einer der Gründe, warum die Haltung von Hunden, gerade im urbanen Umfeld, immer populärer wird:

Hunde erden uns, sie lassen uns im Hier und Jetzt ankommen, sie bringen uns wieder ein Stück weit zurück zu unserer Natur.

Und Hunde können noch viel mehr:
Wenn unsere Mensch-Hund-Beziehung gut funktioniert, spiegelt der Hund sehr genau unsere inneren, seelischen Vorgänge.
Aber seine feinen Sinne reichen auch so weit, dass er in einem fremden Umfeld Stimmungen und Schwingungen aufnimmt und diese auf die eine oder andere Weise nach außen hin „reflektiert“.

Stimmungsübertragung ist ein sehr wichtiger Aspekt unseres Zusammenlebens mit Hunden! Sie funktioniert übrigens in beide Richtungen: Hunde können unsere Stimmung annehmen, genauso kann sich aber auch die Stimmung des Hundes auf uns übertragen.

Hunde sind von Natur aus eigentlich eher ausgeglichene, ruhige Wesen – wenn wir ihnen (wieder) zuhören, können wir auch selbst besser zur Ruhe kommen und in unsere natürliche Mitte zurückfinden.

Möglichkeiten, wie Du den Stress in Deinem (Hunde-)Alltag reduzieren kannst:
  • Beobachten: setze Dich einfach einmal ruhig neben Deinen Hund und beobachte ihn einfach nur.
    Wenn er gerade schläft: hat sein Atem nicht etwas Meditatives an sich, vielleicht wirst Du beim Beobachten sogar selbst auf einmal ganz ruhig?
    Wenn er auf dem Spaziergang die Umwelt erkundet oder ausgelassen tobt: kannst Du die pure, reine Lebensfreude in ihm erkennen und spüren, wie er einfach nur im Moment lebt?
  • Wahrnehmen: Falls irgendetwas nicht so gut läuft, wie Du es gerne hättest, schau doch einmal ganz genau hin, woran es liegen könnte. Wie fühlst Du Dich gerade in dem Moment, was ist Deine Motivation? Wie sieht im Vergleich dazu die Motivation Deines Hundes aus? 
  • Atmen: Bewusstes Atmen ist das beste Mittel gegen Stress! Negative Gefühle und Anspannung lassen sich mit einem bewussten, tiefen (Aus-)Atmen sehr leicht abschütteln. In diesem Moment fokussierst Du Dich ganz kurz wieder auf Dich selbst – auf Deinen Körper – und kannst innerlich zur Ruhe kommen.
    Gibt es Probleme bei Hundebegegnungen? Atme tief durch – Du wirst sehen, wie sich Deine Gelassenheit auch auf Deinen Hund überträgt!
  • Perspektivwechsel: Schaue Dir stressige Situationen einmal genauer an und versuche zu verstehen, wie sich diese aus der Sicht Deines Hundes anfühlen. Ist er vielleicht überfordert (z.B. in großen Menschenmengen oder im Stadtverkehr), gibt es Auslöser, die ihn eventuell stressen könnten? Für einen Hund ist es nicht unbedingt immer leicht, sich unserer modernen „Menschenwelt“ anzupassen! Vielleicht hilft es ihm, wenn er Dich beim nächsten Stadtbummel eben nicht begleitet – sondern stattdessen einfach zu Hause eine Runde dösen darf?

An welchen Stellen könnte Dein Hundeleben etwas mehr Entspannung vertragen?

Überlege Dir doch in dieser Woche einmal, welche Situationen in Deinem (Hunde-)Leben ruhig etwas stressfreier verlaufen dürften.

Vielleicht baust Du Dir beim Spaziergang selber unnötigen Zeitdruck auf, der überhaupt nicht da ist – wie wäre es, einfach mal zu entschleunigen und zusammen mit Deinem Hund (überspitzt gesagt) Grashalme zu zählen?
Oder setze Dich doch einfach mal zusammen mit ihm auf eine Parkbank / einen Baumstamm im Wald / eine Wiese und beobachte, was um Euch herum passiert.

Es liegt in der Natur Deines Hundes, dass er Dich erden möchte – nimm dir den Moment und höre ihm einfach einmal zu.


Wenn Du magst, teile Deine Erfahrungen zum Thema Stress und Achtsamkeit gerne mit uns: entweder hier im Kommentar, oder auf Facebook/Instagram: #stressfasten.

Benutze außerdem gerne die Hashtags #hundsinn und #hundefasten oder markiere uns in Deinen Beiträgen, damit wir Dich finden können.

Meine Erfahrungen mit Stress im Alltag

Als ich mich entschieden hatte, den ersten Hund in mein Leben zu holen, war eine Sache glasklar: der muss direkt von Anfang an mit ins Büro.
Es sollte also schon ein erwachsenes Tier mit gefestigtem Charakter sein, ruhig und anpassungsfähig.

Nach diesen Kriterien suchte ich – und ich fand: meine Meisterin in Sachen Tiefenentspannung, Aida.

Durch ihr (im Detail nicht bekanntes) „erstes Leben“ als vermutlich selbstbestimmter Hund in Rumänien ruhte sie völlig in sich und konnte überall und zu jeder Zeit schlafen – je mehr Menschen dabei um sie herum waren, desto besser. Bis auf einige Dinge, die sie eben erst noch lernen musste – Aufzüge, öffentliche Verkehrsmittel usw., lief unser Zusammenleben völlig stressfrei ab.

Als dann allerdings Hund Nummer 2 einzog, ein Welpe namens Fina, änderte sich so ziemlich alles: ich lernte, dass man hypernervösen Hundekindern das Ruhen und Schlafen erst einmal beibringen muss. Vor allem, wenn auch diese von Anfang an mit ins Büro sollen…

Und auch Nummer 3 musste zwangsläufig direkt nach seinem Einzug mit ins Büro: Zwillingsbruder Paco, zu der Zeit gerade im jungrüpeligen Alter von 1,5 Jahren. Das Thema „Büroschlaf“ hatte er zwar in seiner Welpenzeit schon kennengelernt – allerdings nur halbtags, und auch bloß tageweise.

An Tagen mit viel Kommen und Gehen oder mit vielen unbekannten Menschen fällt es ihm tatsächlich bis heute oft schwer, einen ganzen Arbeitstag im Büro entspannt zu überstehen. Für seine (und auch meine) Nerven ist das manchmal eine Zerreißprobe – allerdings bin ich dadurch inzwischen auch Profi in Sachen „Entspannungshilfsmittel für den Vierbeiner“ geworden…

Und ich merke inzwischen zum Glück auch, wenn wir uns in unserer Anspannung gegenseitig beeinflussen:
Während ich noch denke „Och nö, jetzt kommt da schon wieder ein Paketbote, die Hunde sind doch gerade erst endlich einmal zur Ruhe gekommen, nimmt das denn heute nie ein Ende, der arme Paco…“ spürt Monsieur schon, dass mit diesem Paketboten ja scheinbar irgendwas nicht in Ordnung ist, spannt sich ebenfalls an, wird unruhig und fängt womöglich an zu bellen oder zu knurren – Stimmungsübertragung in ihrer Bestform!

Ihm – und auch seiner nervösen Schwester – zuliebe arbeite ich inzwischen dauerhaft daran, in unserem Hunde-Leben Stress wo immer möglich zu reduzieren.
Den beiden fällt es einfach sichtlich schwer, sich an den Alltag in unserer Menschen-Welt anzupassen, und manchmal verlange ich ihnen eben doch zu viel ab
.

Und dazu gehört auch, dass ich den Stress bei mir selber reduziere!

Seit Aida mit ihrer buddhistischen Gelassenheit – die definitiv auf uns alle abgestrahlt hat – nicht mehr unter uns ist, ist das umso wichtiger geworden.

Wenn ich selber nicht so richtig in meiner Mitte bin, dann überträgt sich das ziemlich ungesund auch auf meine Hunde: unsere Beziehungen geraten aus dem Gleichgewicht, alte hündische Kontrollzwänge tauchen wieder auf, der Alltag funktioniert nicht mehr reibungslos usw.

Die Lösung ist eigentlich so einfach, und sie tut niemandem weh:

  • mehr Respekt im Umgang miteinander
  • mehr Achtsamkeit im Alltag
  • ab und zu mal einen Gang rausnehmen
Und gleichzeitig fällt sie uns doch so schwer, weil sie uns ein gewisses Umdenken abverlangt!

FASTEN-THEMA VERPASST?

Ein Kommentar

  • Alena

    Huhu 🙂
    Ich muss sagen, der Artikel ist wirklich toll und hält einem gut vor Augen, was man sonst in all dem Alltagsstress total vergisst. Beim Lesen habe ich mir das Zusammenleben mit meiner Hündin einmal genau durch den Kopf gehen lassen und du hast vollkommen Recht. Diese kleinen Momente nimmt man gar nicht mehr als so besonders wahr, obwohl sie einem so viel geben. Gerade zum Beispiel liegt Shira neben mir im Bett und mir fällt wieder auf, wie viel besser ich durch sie zur Ruhe komme.

    Wir werden uns auf jeden Fall wieder mehr Zeit und Ruhe nehmen, um unser Leben richtig zu genießen, statt alles unter Druck zu erledigen. Mach weiter so!

    Liebe Grüße
    Shira (Titi) & Alena

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