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Der Rekordsommer 2019 und seine Lehren

Der Monat August neigt sich seinem Ende entgegen, und auch der Sommer 2019 ist nun wohl bald vorbei.

Die letzten Wochen haben uns bereits einen kleinen Vorgeschmack auf den nahenden Herbst gegeben: starke Regenfälle, leichte Stürme und kühle Tage.
Die Fleecejacke gehörte bereits wieder zum alltäglichen Inventar auf den Hunderunden. 
Aktuell erleben wir noch einmal so etwas wie ein letztes Aufbäumen des Rekordhitze-Sommers 2019: die Temperaturen steigen noch einmal auf deutlich über 30°C und verbleiben dort auch über mehrere Tage hinweg; auch die Trockenheit, die wir aus den Monaten Juni und Juli ja bereits gewohnt sind, kehrt noch einmal zurück.

Doch der Spätsommer ist gar nicht mehr so schlimm und unerträglich wie der Hochsommer. Die Tage sind bereits kürzer geworden, die Sonne steht nicht mehr ganz so hoch am Himmel, und nachts kühlt es wieder soweit ab, dass ein Durchatmen ohne Weiteres möglich ist. In den frühen Morgenstunden hülle ich mich nun gerne wieder in eine kuschelige Jacke, und abends denke ich ab und zu darüber nach, ob ich nicht vielleicht doch die Heizung schon einmal anschalten sollte.
Ich liebe diese Jahreszeit, wenn sich der Rückzug bereits ankündigt, aber noch eine Weile auf sich warten lässt.
Es ist wie ein Versprechen: „Nicht mehr lange, halte noch ein wenig durch, die Abkühlung kommt bestimmt! Und bis das soweit ist, genieße die letzten wärmenden Strahlen der Sonne in vollen Zügen.“
 
Der perfekte Zeitpunkt also, um den diesjährigen Sommer einmal Revue passieren zu lassen und ein kleines Fazit zu ziehen.
 
War er wirklich so rekordträchtig, wie die erste Hitzewelle im Juni erwarten ließ?
Sprechen die vielen Regenfälle aus dem August nicht eigentlich dagegen, dass dieser Sommer besonders extrem gewesen sein soll?
 

Die Erde brennt

Es ist viel passiert in den letzten Wochen:
Und das Umweltbundesamt hat bereits vorsichtig, aber deutlich darauf hingewiesen, dass unser Wasser zukünftig vielleicht nicht mehr ganz so selbstverständlich aus dem Hahn kommen wird.
Passend dazu hat der Weltklimarat Anfang August seinen Sonderbericht „Klimawandel und Landnutzung“ veröffentlicht und uns damit auch noch einmal deutlich aufgezeigt, wie dringend wir unseren Umgang mit dem Planeten unter unseren Füßen überdenken und neu strukturieren müssen.
 

 
Schauen wir im Rückblick also doch einmal die brennendsten Fragen dieses Sommers an:
  • Müssen wir uns in Deutschland wirklich auf eine Wasserknappheit in den kommenden Jahren einrichten, oder haben sich die Grundwasserspeicher nicht auch wieder erholen können?
  • Sind die landwirtschaftlichen Ausfälle wirklich so stark, oder konnten sich die Erträge nach dem nassen August wieder erholen?
  • Haben die Wälder in diesem Jahr wirklich so sehr gelitten wie in 2018, obwohl wir doch so starke Regenfälle hatten?
Wir erinnern uns: 
Mit Beginn der Hundstage um den 23. Juli herum kam die zweite Hitzewelle, nachdem wir die erste aus dem Vormonat gerade überstanden und einmal kurz durchgeatmet hatten. Das Thermometer klettere mehrere Tage hintereinander deutlich über die 40-Grad-Marke.
Als "Hundstage" werden traditionell die laut Statistik heißesten Tage des Jahres vom 23. Juli bis zum 23. August bezeichnet. Geprägt wurde dieser Begriff im Römischen Reich, also bereits vor rund 2000 Jahren – und er geht zurück auf das Sternbild „Canis Major“, zu Deutsch: Großer Hund. Dieses Sternbild war zu Römerzeiten in ebendieser Zeit zwischen dem 23. Juli und dem 23. August am sommerlichen Nachthimmel zu sehen; als dies caniculares – sprich: als „Hundstage“ – wurden sie also betitelt. Heutzutage geht das namensgebende Sternbild aufgrund seiner Eigenbewegung allerdings erst um den 30. August herum auf.

Wird in Deutschland das Wasser knapp?

Sonne, Hitze, Trockenheit.
Dies ist der zweite Sommer in Folge, in dem die Wiesen im „Naturpark Rheinland“ eher Steppenlandschaften gleichen, wo sich auf Feldwegen der Boden unter den Füßen zu Sand auflöst, wo ein klitzekleiner Funke verheerende Flächenbrände auslösen kann…
 
Im Sommer 2015 war ich beruflich für vier Wochen in Budapest, mit Aida.
Es herrschten beinahe durchgängig Temperaturen um die 35°C, von einem kurzen und heftigen Gewitter einmal abgesehen fiel kein einziger Regentropfen. Die Klimaanlagen im Büro quälten sich rund um die Uhr, um eine halbwegs erträgliche Raumtemperatur um die 27°C aufrecht zu erhalten.
Irgendwann fing das Catering an, die Wasserflaschen nur noch rationiert ans Team herauszugeben – es gab offenbar bereits Schwierigkeiten mit der Versorgung…
 
Die ungarische Landschaft lernte ich von Beginn an als wüstige Steppe kennen, schrieb das den andersartigen klimatischen Bedingungen „dort unten im Süden“ zu – die letzten beiden Sommer haben mich nun gelehrt, wie schnell sich auch eine für gewöhnlich eher saftige Gegend unter dem Druck der Hitze verändern kann.
Mit zunehmender Hitze stieg die Waldbrandgefahr, und sogar die Trinkwasserversorgung wurde mancherorts zum Problem. 
Das Umweltbundesamt hatte bereits Anfang Juli davor gewarnt, dass Dürre und die damit verbundene Wasserknappheit in Deutschland in absehbarer Zukunft ein Problem werden können. Wie schon im vergangenen Sommer und natürlich auch in diesem Jahr wird die Landwirtschaft als zusätzlicher Nutzer von Grundwasser dazukommen. Dies kann eventuell zu Engpässen in der Versorgung mit Trinkwasser führen.
Auch wenn in manchen Gebieten bereits zum Wassersparen gemahnt worden ist, so leiden wir derzeit noch nicht unter Wasserknappheit. Allerdings haben sich die Grundwasserbestände aufgrund der zu geringen Regenmengen in den vergangenen Jahren auch immer noch nicht wieder vollständig erholen können.
 
Der  Dürremonitor des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig gibt einen sehr anschaulichen Überblick darüber, wie sich die Wasserbeschaffenheit in Deutschland in den vergangenen Jahren verändert hat und auch darüber, wo wir aktuell stehen.
 

Welche Auswirkungen hatte der Sommer auf die Landwirtschaft?

Der Deutsche Bauernverband hat gerade seine Erntebilanz für dieses Jahr offengelegt und vermeldet, man habe eine unterdurchschnittliche Ernte eingefahren. Zwar seien die Einbußen nicht ganz so dramatisch wie im vergangenen Jahr – das ja allgemeinhin auch als „Dürrejahr“ bezeichnet wird – aber wohl doch signifikant. In einigen Teilen des Landes war es sowohl zu heiß als auch zu trocken, in anderen hingegen gab es ausreichend Niederschläge – der Sommer 2019 hat somit also unterschiedlich starke Auswirkungen, je nach Region, für die ansässigen Bauern.
 
Derselbe Bauernverband hat sich allerdings auch gerade erst gegen eine Begrenzung der Nutztierzucht zugunsten des Klimas ausgesprochen und hält an seiner geplanten Reduktion der Treibhausgasemissionen um 30% bis 2030 fest. Statt weitere landwirtschaftliche Flächen für Wälder freizugeben, sollten lieber die bereits vorhandenen Wälder zukunftsfähig gemacht werden.
 

Wie steht es um unseren Wald?

Eben diese Wälder leiden zunehmend unter der lang anhaltenden Trockenheit und Hitze. Auch die Regenfälle im August konnten nicht ausreichend dazu beitragen, dass die Monate Juni und Juli ohne Verluste an den Bäumen vorübergehen. Die entstandenen Schäden sind bereits irreversibel. Dazu kommt, das viele Bäume ja bereits auch durch den vorangegangenen Sommer 2018 stark geschädigt sind. 
 
Ich sehe das auch selbst in meinem kleinen Garten: die normalerweise äußerst anspruchslose Birke bekommt bereits jetzt gelbe Blätter bzw. wirft vertrocknetes Grün einfach so ab. Der Ahorn, ein Flachwurzler, der aufgrund seiner „Bauweise“ nicht in der Lage ist, aus tieferen Schichten Wasser zu ziehen, hatte schon im Juni mit ähnlichen Maßnahmen begonnen. Auch in den umliegenden Wäldern zeigt sich ein ähnliches Bild; wenn man jetzt dort spazieren geht, raschelt stellenweise schon das Laub unter den Füßen.
In einem Facebook-Video von Peter Wohlleben habe ich neulich gelernt, dass die Wälder mindestens einen „normalen“ Sommer bräuchten, um wieder halbwegs auf ein gesundes Level zu kommen. „Normal“ bedeutet in dem Fall: ausreichend Regenfälle und weniger Hitze.
 

Das Fazit

Der Sommer 2019 hat uns definitiv in verschiedenen Lebensbereichen ordentlich zu schaffen gemacht.
Zum wiederholten Male mussten wir uns mit starker Hitze und Trockenheit arrangieren; dabei ging es uns allerdings nicht ganz so schlecht wie im vergangenen Jahr. 
Nichtsdestotrotz müssen wir uns langfristig darauf einstellen, dass dies ein Normalzustand werden wird!
Themen wie der sparsame Umgang mit Wasser, Umstrukturierung der Wälder und veränderte Bedingungen für die Landwirtschaft – und damit verbunden vielleicht auch steigende Lebensmittelpreise – werden uns in Zukunft zunehmend beschäftigen und vor allem auch zu unserem Alltag werden.
 
Es wird also Zeit, dass wir uns an die sich verändernden Klimabedingungen anpassen – der Sommer 2019 war ein weiterer deutlicher Warnschuss in diese Richtung!
Was bedeuten die zunehmend heißen Sommer für uns Hundehalter?
Bezogen auf das Leben mit Hund begegnen uns mit den steigenden Temperaturen natürlich auch diverse Veränderungen im Alltag: 
 
  • geänderte Gassi-Zeiten in den frühen Morgen- bzw. späten Abendstunden
  • notwendige Maßnahmen zur Abkühlung (Vermeidung eines Hitzschlags beim Hund)
  • bewusster Umgang mit Wasser im Planschbecken
  • Anpassung der Ernährung an die Hitze
  • eine speziell angepasste Pflege des Fells (insbesondere bei Hunden mit dichtem Fell und viel Unterwolle)

 

Ein Gedankenspiel: hitzetaugliche Hunde der Zukunft

Ich habe mir sogar auch schon einmal spielerisch darüber Gedanken gemacht, ob Auslandshunde aus südlicheren Ländern sich nicht vielleicht langfristig sogar bei uns eher durchsetzen werden als solche aus den (noch) eher kalten, osteuropäischen Regionen?
 
Aus meiner ganz persönlichen Erfahrung kann ich nämlich sagen, dass es den spanischen Zwillingen hier im Sommer deutlich besser geht als einst der alten Frau aus Rumänien – die war den ganzen Sommer über grundsätzlich im Standby-Modus, bleib entweder im Haus oder lag in Erdlöchern unter irgendwelchen Büschen. So richtig auf „Betriebstemperatur“ kam sie immer erst ab 0°C abwärts… 
Die Zwillinge jedoch würden auch (wenn man sie ließe) bei über 30 Grad stundenlang durch die Gegend laufen und sich ihres Lebens erfreuen. Dass ich das nicht zulasse und sie nur im gerade nötigen Maße der prallen Sonne aussetze, sollte natürlich klar sein; und selbstverständlich achte ich auch darauf, dass sie bei der Hitze nicht über den heißen Boden laufen…
 
In der Geschichte der Hunde war es doch schon immer so, dass sich die einzelnen Schläge in Anpassung an die Anforderungen ihrer Umgebung entwickelten, genauso wie auch bei der späteren Rassezucht die „Funktionalität“ des Fells durchaus eine Rolle spielte (die „moderne“ Zucht allein zum Zwecke von Ausstellungen lassen wir hier einmal außen vor, um die geht es natürlich nicht).
 
Die Klimazonen verschieben sich derzeit in Richtung Norden – werden wir also in absehbarer Zeit vielleicht auch viel mehr kurzfellige, wasserliebende Hunde in unseren Breitengraden haben als dick unterbewollte, stockhaarige Hof- und Hütehunde? 
Oder werden sich vielleicht die vorhandenen Rassen und Mischlinge einfach durch Anpassung an die klimatischen Bedingungen in ihrer Fellbeschaffenheit verändern?

Eine der großen Herausforderungen unserer Zeit - für Mensch und Tier - wird wohl darin bestehen, uns anzupassen. Neu zu denken. Lebensfähig zu bleiben – auch bei über 40 Grad im Schatten!

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